CINXE.COM

Depo

<html> <head> <title>Depo</title> </head> <BODY BACKGROUND="../icons/blaga.gif"> <h2>Orationes duae, De ritu et modo depositionis beanorum.</h2> <p> <h3>- Stra&szlig;burg: Dolhopff, 1680. 56 S., 18 Kupfertaf., 15 x 8 cm</h3> <HR> <table border=0 width=100%> <tr><td> <IMG BORDER=0 ALIGN=BOTTOM SRC="../icons/pgr.gif"> <A HREF="../epo.html"><IMG BORDER=0 ALIGN=BOTTOM ALT="ALL EPO TITLES" SRC="../icons/1up.gif"></A> <A HREF="depo/seite1.html"><IMG BORDER=0 ALIGN=BOTTOM ALT="NEXT" SRC="../icons/n.gif"></A> <td align=right><A HREF="../index.html"><img BORDER=0 ALIGN=BOTTOM ALT="MATEO" SRC="../icons/dugme1.gif"></a> </table> <HR> <p> <img src="depo/gif/deptit.gif" Align=Left Vspace=10 Hspace=25> Die Studienanf&auml;nger der sp&auml;tmittelalterlichen und fr&uuml;hneuzeitlichen Universit&auml;t mu&szlig;ten im Zuge ihrer Immatrikulation den Ritus der "Deposition" &uuml;ber sich ergehen lassen. Sinn dieser Handlung war es, da&szlig; der "beanus" (von franz. b&eacute;jaune, d.i. bec jaune = Gr&uuml;nschnabel) oder "Bacchant" (von "Vagant" mit Anspielung auf mutwilliges Treiben im Zeichen des Bacchus) sein unakademisches, unzivilisiertes Wesen ablegte (deponere). Der Knabe - oft ging man schon mit 15 Jahren auf die Universit&auml;t - wurde als ungeb&auml;rdiges, st&ouml;rrisches, schmutziges, stinkendes Tier - eine Mischung aus Ziegenbock, Rind und Eber - vorgestellt.<p> "Die Beane wurden in einer Verkleidung, deren wesentlichstes St&uuml;ck ein Hut mit H&ouml;rnern war, von dem Depositor [- als solcher fungierte zumeist der Rektor der Burse -] in den zur Handlung bestimmten Saal gef&uuml;hrt. Nach mannigfachen Vexationen wurden die H&ouml;rner abgeschlagen, abgesto&szlig;en, abgelaufen oder abgeschliffen (davon "depositio cornuum"), gro&szlig;e Z&auml;hne ("Bacchantenz&auml;hne") den Beanen in den Mund gesteckt und ausgerissen, dann die K&ouml;rper der Neulinge mit verschiedenen monstr&ouml;sen Handwerksinstrumenten von Holz unsanft bearbeitet, ferner wurde sinnbildlich eine gr&uuml;ndliche Reinigung und Versch&ouml;nerung vorgenommen. Schlie&szlig;lich erkl&auml;rte der Decan nach einer Pr&uuml;fung die Deponierten f&uuml;r Studenten, indem er ihnen Salz - sal sapientiae - in den Mund gab und Wein - vinum laetitiae - aufs Haupt go&szlig; und sie feierlich vom Beanismus lossprach oder absolvierte." (W. Fabricius: Die akademische Deposition. 1895. S. 7f.)<p> Der rauhe Initiationsritus, der nicht selten zu Verletzungen f&uuml;hrte, spiegelt den umfassenden Zwang, den die akademische Korporation ihren Mitgliedern auferlegte. Die Studenten wohnten unter der Aufsicht von Dozenten in Internaten, den Bursen. Ihr Tagesablauf war streng geregelt, das Essen karg, die von mehreren Studenten geteilte Schlafkammer eng und unbeheizt. Ein Privatleben war nicht vorgesehen. Wer im Elternhaus oder bei Verwandten wohnen oder sich gar einen eigenen Haushalt mit Diener leisten konnte, mu&szlig;te dazu die Genehmigung der Universit&auml;t einholen.<p> Solchen Zw&auml;ngen stand eine Neigung zum ungebundenen Leben und wilden Treiben in der Tradition der fahrenden Scholaren gegen&uuml;ber, beg&uuml;nstigt durch die rechtliche und polizeiliche Sonderstellung der "cives academici" innerhalb der Stadt, angeregt von der eigenm&auml;chtigen und wehrhaften Lebensweise adeliger Kommilitonen und verst&auml;rkt durch die S&ouml;ldnererfahrung mancher &auml;rmerer Studenten.<p> Die ersten Universit&auml;ten Deutschlands &uuml;bernahmen den Brauch der Deposition wie vieles andere von ihrem unmittelbaren Vorbild, der Pariser Universit&auml;t. Die Verwendung von S&auml;gen, Hobeln, Feilen und anderem Handwerkszeug wurde anscheinend im sp&auml;ten 15. Jahrhundert in Deutschland eingef&uuml;hrt. Vorbild waren die Lossprechungsriten der Z&uuml;nfte. Als bald darauf Humanismus und Reformation die Universit&auml;ten ihres geistlichen Charakters entkleideten und die kloster&auml;hnlichen Bursen, die Heimst&auml;tten der Deposition, sich allm&auml;hlich leerten, blieb diese dennoch bestehen. Sie wurde nun in den Universit&auml;tsstatuten verankert und mit einer erlauchten Ahnenreihe, die von den Pr&uuml;fungen der spartanischen Jugend &uuml;ber Platons Akademie bis zu der Wasserweihe in den athenischen Sophistenschulen der Sp&auml;tantike reichte, ausgestattet.<p> Als jedoch in der 1. H&auml;lfte des 18. Jahrhunderts die Studienanf&auml;nger &auml;lter und besser vorbereitet zur Universit&auml;t kamen, empfand man das rohe Spiel als deplaziert, und bald mu&szlig;ten die Depositoren auf ihre Eink&uuml;nfte und die &auml;lteren Kommilitonen auf den Aufnahmeschmaus verzichten. Das Vexieren j&uuml;ngerer Studenten fand schlie&szlig;lich in den Korporationen, in denen die "F&uuml;chse" die "Burschen" bedienten, seine Fortsetzung. Heute zeugen noch Redensarten wie "ein ungehobelter Mensch, ein ungeschliffener Kerl, sich die H&ouml;rner absto&szlig;en" von dem vergessenen Brauch.<p> Das kleine B&uuml;chlein, dessen dritter, deutschsprachiger Teil hier reproduziert ist, bringt zuerst die bereits 1569 von Magister Johann Dinkel in Erfurt gehaltene lateinische "Rede &uuml;ber Ursprung, Gr&uuml;nde, Vorbild und Zeremonien des Ritus, der in den (hohen) Schulen allgemein Deposition genannt wird". Dinkel hat seine Rede weithin aus dem umfassenderen Werk Middendorps "De celebrioribus universi terrarum orbis Academiis" (K&ouml;ln 1567) abgeschrieben. Unser Stra&szlig;burger Druck von 1680 verschweigt seinerseits die Herkunft des Textes von Dinkel. Die Kupferstiche von M.H. Rapp sind wahrscheinlich der einzige neue Bestandteil in dieser Ausgabe bzw. ihrer unmittelbaren Vorg&auml;ngerin, die 1664 bei P. Aubry in Stra&szlig;burg erschien. Die damaligen Schriftsteller und Verleger verstanden es gut, von dem bew&auml;hrten Alten zu zehren!<p> <HR> <h2>Inhalt</h2> <Ul> <li> <a href="depo/seite1.html">Titel</a> <li> <a href="depo/seite2.html">Sondertitel</a> <li> <a href="depo/seite3.html">Seite 40f</a> <li> <a href="depo/seite4.html">Seite 42f</a> <li> <a href="depo/seite5.html">Seite 44f</a> <li> <a href="depo/seite6.html">Seite 46f</a> <li> <a href="depo/seite7.html">Seite 48f</a> <li> <a href="depo/seite8.html">Seite 50f</a> <li> <a href="depo/seite9.html">Seite 52f</a> <li> <a href="depo/seite10.html">Seite 54f</a> <li> <a href="depo/seite11.html">Seite 56, Ill. 1</a> <li> <a href="depo/seite12.html">Ill. 2f.</a> <li> <a href="depo/seite13.html">Ill. 4f.</a> <li> <a href="depo/seite14.html">Ill. 6f.</a> <li> <a href="depo/seite15.html">Ill. 8f.</a> <li> <a href="depo/seite16.html">Ill. 10f.</a> <li> <a href="depo/seite17.html">Ill. 12f.</a> <li> <a href="depo/seite18.html">Ill. 14f.</a> <li> <a href="depo/seite19.html">Ill. 16f.</a> <li> <a href="depo/seite20.html">Ill. 18</a> </ul> <HR> <a href="mailto:mateo@uni-mannheim.de">Mail an MATEO</a> <p> <A Name="author"> <a href="http://www.uni-mannheim.de/members/rum/kredel.html">Heinz Kredel</a>, E-mail: <a href="mailto:kredel@rz.uni-mannheim.de"><code>kredel@rz.uni-mannheim.de</code></a> </A> <A Name="author"><p> <a href="../pp/schibel.html">Wolfgang Schibel</a>, E-mail: <a href="mailto:Schibel@bib.uni-mannheim.de"><code>Schibel@bib.uni-mannheim.de</code></a> <p> <A Name="author"> <a href="http://www.uni-mannheim.de/members/rum/zuljevic.html">Emir Zuljevic</a>, E-mail: <a href="mailto:zuljevic@rummelplatz.uni-mannheim.de"><code>zuljevic@rummelplatz.uni-mannheim.de</code></a> </A> <p> Mannheim, 20. Juni 1996 <hr> </body> </html>

Pages: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10